Bin ich etwa … ? – Teil 1 – Ein Kind!

Eigentlich bin ich nicht anders als ihr. Ich bin wie ihr auf die Welt gekommen. Ich musste schnell lernen selbst Luft zu holen. Ohne zu atmen wäre das Blut ohne Sauerstoff. Es hätte meinen kindlichen Körper blau anlaufen lassen und meine Eltern erschreckt.

Das glaube ich zumindest.

Ich bin wie ihr zur Schule gegangen und habe viel Meter dafür in Kauf genommen umso zu werden wie ihr. So schlau und erhaben. Dabei habe ich Regen und Kälte getrotzt und mich auf meinen Hosenboden gesetzt.

Ich saß hinten in der letzten Reihe, ich war wie ihr und dennoch anders.

Kinder verstehen es nicht und die Erwachsenen verschlossen die Augen und die Ohren. Dabei war ich genauso wie ihr. Zumindest wollte ich so sein.

Auf dem Pausenplatz liefen alle zu zweit und zu dritt und großen Gruppen. Ich war zwischen euch und keiner nahm mich wahr. Ich war nicht dabei, ich gehörte nicht dazu. Ich bin wie ihr auf die Welt gekommen und dennoch scheinbar unsichtbar für alle.

Auf die, die ich zuging, die gingen weg oder wichen mir aus dem Weg. Ich war doch nicht anders? Ich war doch wie ihr.

Ich war blond, hatte blaue Augen. Lag es etwa daran?

Ich war zierlich und in manchen unbeholfen, ich war nicht viel anderes als ihr. Ein Kind!

Ich saß auf der letzten Bank,
ich war schwach,
ich sah nicht viel,
ich hörte nichts.

Ich war am Herzen krank,
ich war fast blind,
ich war fast taub.

Ich war allein.

Ich trug Brille.

Keiner mochte mich und meine Eltern haben es nicht bemerkt.

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